Geschichte
Inhalt:
Schiffbauschule
Wagenbauschule
Flugzeugbauabteilung
Department Fahrzeugtechnik
Chronik der Studiengänge
Prof. Dr.-Ing. Hans-Joachim DreyerZum Technischen Schulwesen in Hamburg wurde anlässlich früherer Jubiläen der Wagenbauschule (60 Jahre) und der Ingenieurschule (75 Jahre) schon manche Chronik geschrieben.
Zum hundertjährigen Jubiläum seien noch einmal die wesentlichen Punkte zusammengestellt.
Seit Ende des 18. Jahrhunderts wurde jungen Handwerkern abends und sonntags durch die „Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe“, der heutigen „Patriotischen Gesellschaft“, kostenlos Unterricht im Bauzeichnen erteilt.
Nach Vorbildern in Süddeutschland wurde 1864 eine „Allgemeine Gewerbeschule“ als Abend- und Sonntagsschule errichtet, jedoch auf die Errichtung eines Polytechnikums verzichtet.
Auf Grund des Aufschwunges der Technik im Maschinenbau wurde schließlich 1893 die „Höhere Maschinenbauschule“ in Tagesform unter dem Dach der Allgemeinen Gewerbeschule gegründet. Ihr Besuch sollte junge Handwerker befähigen, Stellungen als Betriebsleiter oder Konstruktionszeichner auszufüllen. Der Lehrplan sah deshalb hauptsächlich die Fächer Projektionslehre und Darstellende Geometrie sowie Skizzieren und Maschinenzeichnen vor. Grundlagen der Mathematik und Physik waren als Ergänzung gedacht.
Bald ergab sich auf Drängen der Industrie die Notwendigkeit, für spezielle Aufgaben Sonderklassen einzurichten.
Schiffbauschule
Während schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Preußen Schiffbauschulen existierten, wurde 1895 in Hamburg auf Antrag des Verbandes der Hamburger Eisenindustrie eine Schiffbauschule gegründet, die an die bestehende Maschinenbauschule angeschlossen wurde. Neben den allgemeinen technischen Fächern wurden vor allem die Fächer Schiffszeichnen und Schiffskonstruktion gelehrt. Man begann am 1. Oktober 1895 den Unterricht, der die Absolventen befähigen sollte, Stellungen als Betriebsleiter oder Techniker im Konstruktionsbüro zu übernehmen. Eine Abgrenzung gegenüber den Technischen Hochschulen war bewusst vorgesehen, weil die Diplomingenieure nach Ansicht der Werften für praktische Arbeit überqualifiziert waren. 1905 wurde das „Staatliche Technikum zu Hamburg“ mit den Abteilungen Maschinenbau, Schiffbau, Elektrotechnik und Schiffsmaschinenbau selbstständig.
1911 wurde das Studium auf fünf Semester erweitert. Die Lehrpläne für das technische Grundstudium waren für alle Abteilungen gleich und berücksichtigten mit der technischen Entwicklung auch stärker die Fächer Mathematik und Mechanik.
1914 konnte man in das Gebäude am Berliner Tor umziehen. Die schiffbautechnischen Fächer wurden 1923 durch die Errichtung eines Schiffbaulabors unterstützt. Die Umbenennung in „Ingenieurschule“ erfolgte 1938.
Im Kriege ergaben sich erhebliche Beschränkungen, und nach dem großen Bombenangriff auf Hamburg 1943 konnte nur provisorischer Unterricht abgehalten werden. 1946 konnte der Lehrbetrieb wieder mit Einschränkungen aufgenommen werden. Die Beschränkung auf den Binnenschiffbau wurde erst 1951 aufgehoben. Die Studiendauer wurde auf sechs Semester erweitert. Im Rahmen der Ingenieurschule hatte die Abteilung Schiffbau eine renommierte Stellung.
Mit der Gründung der Fachhochschule im Jahre 1970 wurde die Abteilung Schiffbau zusammen mit der Abteilung Flugzeugbau/Kraftfahrzeugbau und der Wagenbauschule zum Department (damals: Fachbereich) Fahrzeugtechnik zusammengefasst. Im 1972 bezogenen Neubau am Berliner Tor wurden großzügige Laborräume geschaffen.
1972 begannen mit der Verabschiedung des „Hamburger Hochschulentwicklungsgesetzes“ Gespräche mit dem Institut für Schiffbau der Universität zur Errichtung eines hochschulübergreifenden Studienganges Schiffbau, der dann 1977 die ersten Studenten aufnahm. Wesentliche Merkmale waren:
- Eingangsvoraussetzung Abitur oder Fachabitur.
- Gemeinsames Grundstudium und differenziertes Fachstudium mit einem praxisorientierten und einem wissenschaftsorientierten Zweig.
- Durchlässigkeit zwischen den Zweigen.
- Immatrikulation an der Universität.
Dieser Studiengang hat sich seit 1977 bewährt.
Wagenbauschule
Auch die Wagenbauschule ging aus den Feierabend- und Sonntagskursen der Gewerbeschule hervor.
1895 befanden sich in den Fachklassen für Stellmacher und Schmiede fünfzig Schüler. „Kunst und nützliches Gewerbe“ waren für den Wagenbau nicht zu trennen. Die Wagenbauschule wird in einem Jahresbericht von 1895 als neue Abteilung der Tagesgewerbeschule erwähnt. Sie umfasst eine Unterklasse und eine Oberklasse. Der Unterricht beginnt mit einer Unterklasse Anfang April (1896) und in der Oberklasse Anfang Oktober. Auch hier wird der Schwerpunkt auf Fachzeichnen und Konstruktionslehre gelegt.
Die Fächer Mechanik und Festigkeitslehre ergänzten ab 1910 das Lehrangebot. Eine weitere Ergänzung des Lehrangebotes führte 1922 zur Erweiterung der Ausbildungsdauer auf drei Semester. Nach der wirtschaftlichen Stagnation um 1930 wurden erst Mitte der Dreißiger-Jahre mit dem Aufschwung der Automobilindustrie auch die Schülerzahlen größer. Nach dem Krieg wurde die Studiendauer zunächst auf vier, dann 1953 auf fünf Semester erhöht. Damit war eine Anpassung der Lehrpläne an die Anforderungen der modernen Automobilindustrie möglich. In den Lehrplänen dieser Zeit sind auch die Fächer Omnibusbau, Lastwagenbau und Schienenfahrzeugbau nachweisbar. Hauptsächlich wurde weiterhin die Karosserie-Konstruktion betont. Dieses Fachgebiet ist einmalig in Deutschland. Infolgedessen sind die Absolventen in der ganzen Automobilbranche gefragt. Zu den Aufsätzen von Prof. Vollmer und Prof. Zimmermann findet man eine ausführlichere Darstellung (in der offiziellen Festschrift zum Jubiläum, die Red.). Aber Fahrzeugtechnik ist nicht nur Karosserieentwicklung.
Bei der Gründung der Hochschule für angewandte Wissenschaften Hamburg 1970 erhielt des Department (damals: Fachbereich) Fahrzeugtechnik ein neues Gebäude am Berliner Tor, das sehr großzügig mit Versuchseinrichtungen ausgestattet ist und das 1972 bezogen wurde. Die Dozenten der Wagenbauschule hatten großzügig geplant und die Hansestadt Hamburg hatte damals noch Geld. Nach Fertigstellung des Labors standen viele Mitglieder des Departments (damals Fachbereichs) staunend vor der Frage, welche Möglichkeiten ihnen hier sowohl für Fahrwerksversuche als auch im Bereich der Festigkeits- und Schwingungsuntersuchungen geboten waren. Sogar ein Stück Eisenbahngleis (nie benutzt) mit Prellbock stand zur Verfügung. Über die bis dahin durchgeführten Standardversuche hinaus bedurfte es des starken Engagements einzelner Fachhochschullehrer, durch Motivation des Laborpersonals und der Studenten das Labor zum wirklichen Leben zu erwecken. Man lese z. B. den Artikel „Fahrzeugtechnik ist nicht nur Karosserieentwicklung“ von Prof. Woydack (in der offiziellen Festschrift zum Jubiläum, die Red.). Ab 1980 wurden die Lehrpläne an das Computer-Zeitalter angepasst. Die „Finite-Elemente-Methode“ (FEM) und die Konstruktion am Bildschirm „Computer Aided Design“ (CAD) wurden für interessierte Studenten in das Lehrprogramm aufgenommen. Sie bilden heute wesentliche Pflichtfächer für alle Studenten.
Flugzeugbauabteilung
Eine Hundertjahrfeier kann die Lehre im Flugzeugbau noch nicht vorweisen, jedoch sind auch sechzig Jahre schon ganz beachtlich, und man schließt sich damit gern an die „Hundertjährigen“ an. Der Flugzeugbau galt früher als Anhängsel des Maschinenbaus. So war auch bei Gründung der Abteilung „Leichtbau“ mit Flugzeugbau und Kraftfahrzeugbau der „Technischen Staatslehranstalten zu Hamburg“ im Jahre 1935 der Lehrplan für das Grundstudium dem Lehrplan der Maschinenbauer gleich. Die Anfang der Dreißiger-Jahre entwickelten Berechnungsmethoden für den Leichtbau (Flächentragwerke) wurden in der Ingenieurschule (1938) in den oberen Semestern der Abteilung Leichtbau angewandt.
Vom Kriegsende 1945 bis 1954 war die Lehre im Fach Flugzeugbau durch die Besatzungsmächte untersagt. Im Jahre 1954 wurde die Abteilung Flugzeugbau/ Kraftfahrzeugbau jetzt mit sechs Semestern Studiendauer wieder eröffnet.
1956 zog das am Berliner Tor untergebrachte Institut für Schiffbau der Universität in neue Räume und „vererbte“ der Abteilung Flugzeugbau einen Windkanal, der noch heute in Betrieb ist und eine anschauliche Ausbildung in den Fächern Aerodynamik und Flugmechanik gewährleistet. Die Anwendung der Rechenmethoden des Leichtbaues wurde durch Umstellung vom Rechenschieber auf elektromechanische Rechenmaschinen (1960) und durch Aufstellung des ersten Elektronenrechners Zuse Z 23 im Jahre 1965 erleichtert.
Im Zusammenhang mit der Installation einer Großrechenanlage in den Siebziger-Jahren wurden 1975 erste Vorlesungen über die Finite-Elemente-Methode gehalten. Die Methode gehört 1995 zum Pflichtstundenkatalog. Seit 1995 gehört auch die Konstruktion am Bildschirm zu den Pflichtveranstaltungen, sodass jeder Absolvent in die modernen Methoden der Konstruktion und Berechnung wenigstens eingeführt ist und in der Industrie bestehen kann.
Department Fahrzeugtechnik
Der Zusammenschluss der Wagenbauschule mit den Abteilungen Flugzeug-, Kraftfahrzeug- und Schiffbau erfolgte aus sachlich-fachlichen Gründen. Die Kollegien der beiden Gruppen betrachteten sich zunächst etwas distanziert, vielleicht weil ein Teil der Lehrer der Wagenbauschule aus dem Gewerbelehrerbereich kam und ein Teil der Lehrer der Ingenieurschule sich mehr zur Universität und zur Technischen Hochschule hingezogen fühlte. Eine Integration ergab sich dann in den ersten Jahren, weil die Departmentsleitung (damals Fachbereichsleitung) zunächst per Gesetz und später durch Wahl aus je einem Mitglied der beteiligten Ingenieurschulen zusammengesetzt war, weil guter Wille zur Zusammenarbeit vorhanden war und weil neu eingestellte Kollegen ohnehin mit keiner der Vorgängerschulen in Beziehung standen. Heute nach 26 Jahren sind diese Probleme der „Schnee von gestern“.



Professor